Klopfen, lauschen und öffnen

Das Aye-Aye oder Fingertier, Daubentonia madagascariensis, ist ein Lemur aus Madagaskar. Eine seiner Methoden der Nahrungssuche beginnt mit einer besonderen Abfolge: Es klopft mit dem Mittelfinger auf Holz und lauscht. Das Duke Lemur Center beschreibt, wie diese Erkundung Hohlräume aufspüren hilft, die mit den gesuchten Larven zusammenhängen.

Danach kommen die Zähne zum Einsatz. Das Tier öffnet das Holz mit seinen Schneidezähnen und erreicht die Beute mit dem schlanken, beweglichen Finger. Einzeln betrachtet wirken diese Merkmale ungewöhnlich. Bei der Nahrungssuche werden sie als Teile einer Spezialisierung verständlich.

Mehr als Larven auf dem Speiseplan

Die gesamte Ernährung auf Insekten zu reduzieren wäre falsch. Die Lemur Conservation Foundation dokumentiert auch Samen, Früchte und weitere pflanzliche Nahrung. Ernährungsweise und verfügbare Nahrung müssen im Zusammenhang mit den Lebensräumen des Tieres gesehen werden.

Sein Aussehen macht es außerdem nicht zum Nagetier: Es ist ein Primat. Ähnlichkeiten seiner Schneidezähne mit denen anderer Tiere ersetzen keine biologische Einordnung. Das zeigt, wie schnell ein erster optischer Eindruck zu einer falschen Schlussfolgerung führen kann.

Neugierig hinschauen

Die Stiftung weist darauf hin, dass Fingertiere verschiedene Lebensräume Madagaskars bewohnen und schwer zu beobachten sein können. Eine weite Verbreitung auf der Insel bedeutet weder, dass sie überall häufig sind, noch dass ihr Schutz gesichert ist.

Bei Stranger Animals interessiert uns gerade dieser Abstand zwischen Aussehen und Funktion. Der Finger, der zuerst auffällt, wirkt nicht mehr willkürlich, sobald wir seinen Einsatz kennen. Wissen über das Tier ergänzt die Illustration um einen Grund, innezuhalten, genauer hinzusehen und erst zu fragen, bevor wir urteilen.